Gemeinsame Fachkonferenz Interaktive Kulturen Duisburg, 12. bis 15. September 2010


Tagungsrückblick

Mensch & Computer (M&C), die jährliche Fachtagung des Fachbereichs Mensch-Computer-Interaktionen der Gesellschaft für Informatik e. V. (GI) fand in diesem Jahr unter dem Motto „Interaktive Kulturen“, gemeinsam mit der Deutschen e-Learning Fachtagung Informatik (DeLFI) 2010 und einem Track der German UPA zur Usability-Praxis, vom 12. bis 15. September 2010 in Duisburg statt. Ausgerichtet wurde die Tagung von der Universität Duisburg-Essen. Die Konferenz Mensch & Computer feierte in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum und führte gemeinsam mit den anderen Teiltagungen annähernd 500 Wissenschaftler und Praktiker zusammen. Mensch & Computer hat sich damit als Nachfolgekonferenz der seit 1983 stattfindenden Software-Ergonomie zur größten regionalen Konferenz im Themenbereich Mensch-Computer-Interaktion und Interaktive Medien in Europa entwickelt. Auf diese Entwicklung, die ohne die Bündelung der Kräfte mit der German Usability Professionals Association und der DeLFI-Gruppe nicht möglich gewesen wäre, kann unsere Community mit einigem Stolz zurückblicken.

Interaktive Medien und Systeme verändern unsere Arbeits- und Lebensweisen, unseren sozialen Kontext und unser Selbstverständnis tiefgreifend und eröffnen damit auch eine kulturelle Dimension. Das Ruhrgebiet ist in diesem Jahr Europäische Kulturhauptstadt. Um eine besondere Brücke zwischen der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 und der Konferenz Mensch & Computer 2010 zu schlagen, wurde in diesem Jahr ein spezieller Thementrack Entertainment Interfaces in die Tagung einbezogen, in dem interaktive Aspekte von unterhaltungsbezogenen Medien – speziell von Computerspielen – Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion waren. Es wurden mehrere Sessions, sowie eine Keynote von Steve Benford von der Universität Nottingham, angeboten, die von den Teilnehmern stark frequentiert wurden. Es ist deshalb bereits jetzt geplant, dieses sowohl wissenschaftlich wie auch wirtschaftlich immer bedeutsamer werdende Thema auch bei der Mensch & Computer im Folgejahr mit einem besonderen Track zu fokussieren.

Die Gesamtkonferenz bot ein vielfältiges Programm, das neben den Vortragssessions der unterschiedlichen Tracks elf Workshops, neun Tutorien, sowie ein Doktorandenkolloquium umfasste. Die Fachtagung Mensch & Computer 2010 umfasste in diesem Jahr 41 begutachtete Langbeiträge, Kurzbeiträge und Systemdemonstrationen, welche aus insgesamt 119 Einreichungen ausgewählt wurden. Dies entspricht einer Annahmequote von 34 Prozent. Das Themenspektrum reichte dabei von neuen Interaktionstechniken über Methoden der Usability-Forschung, mobile und kontextadaptive Nutzerschnittstellen bis hin zu Einsatzfragen in der Unternehmensorganisation.

Für die unterschiedlichen Teiltagungen und Tagungstracks konnten vier international renommierte Hauptredner gewonnen werden. Die M&C-Keynote wurde von Ed Chi vom Palo Alto Research Center gehalten, der über modellgetriebene Forschung in der Mensch-Computer-Interaktion berichtete. Er plädierte in seinem Vortrag dafür, den gängigen Zyklus nutzerorientierte Entwicklung mit Analyse—Design—Prototyping—Evaluation durch einen Schritt der Modellbildung zu ergänzen und konnte an einer Reihe überzeugender Beispiele den Nutzen dieser Modellbildung nachweisen. Marcus Specht von der Open University in den Niederlanden hielt die Keynote für DeLFI und konnte an einer Reihe beeindruckender Anwendungen die Potentiale von Technology-enhanced Learning belegen. Für den Track der Usability Professionals sprach Jörg Beringer von SAP LLC in Palo Alto, der die Einsatzpotentiale von Web-2.0-Techniken für die Designinnovation im Unternehmen beleuchtete. Der Keynote-Sprecher für den Entertainment Interfaces Track, Steve Benford, zeigte an dem theoretischen Konstrukt von Trajectories Gestaltungsfragen und -möglichkeiten für spielerische Anwendungen auf, die von mobilen, umgebungseingebetteten Spielen bis hin zur Gestaltung des Medieneinsatzes in Vergnügungsparks reichten.

Die gemeinsame Abendveranstaltung fand in einem Lokal am Duisburger Innenhafen statt, einem ehemaligen Mühlen- und Speicherareal, das heute für den erfolgreichen Strukturwandel im Ruhrgebiet steht. Um auch hier den Bogen zur Kulturhauptstadt zu schlagen, zeigte das Tanzensemble Pottporus aus dem Kulturhauptstadtprogramm eine Performance aus Breakdance und Street Art, die sicherlich vielen in Erinnerung bleiben wird.

Jürgen Ziegler
(Leiter des Organisationskomitees)

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